Vortour

Die Route der Vortour durch ganz Deutschland JaMbS & Wogs auf Vortour mit ihrem "Nessi".

Für die kulturrevolution2007 planten wir, sämtliche 16 Landeshauptstädte Deutschlands innerhalb von 100 Tagen anzufahren. Ohne intensive Vorbereitung und vorausgegangene Ortsbegehungen wäre solch ein ambitioniertes Unternehmen kaum möglich. Darum hatten wir bereits im Herbst 2006 beschlossen, im Vorfeld der großangelegten Kunstaktion alle Städte einmal in Augenschein zu nehmen, und starteten mit Nissan-Kleinwagen und Navigationssystem die sogenannte „Vortour“. Allerdings blieb es weitem nicht bei reinen Stadtbesichtigungen! Darüberhinaus mussten wir Gespräche mit den Leitern aller wichtigen Kunstinstitutionen vor Ort führen, Kameraaufnahmen für den kr07-Spielfilm machen als auch geeignete Plätze für die künstlerischen Eingriffe auswählen. Die Eindrücke, die wir auf der sechsteiligen Vortour, quer durch die Republik, von den einzelnen Städten gewonnen haben, haben wir im Folgenden protokolliert…

Hamburg

Unterkunft: Schumacherstrasse (Hamburg-Altona)
Kunstinstitutionen: Kunsthaus, Kunstverein, Deichtorhallen, Kunsthalle
besucht am: 16. Oktober 2006

Die Stadtflagge (Quelle: wikipedia.de) Das Lufthansa-Werk (Quelle: wikipedia.de)

Der erste Teil unserer kr07-Vortour führte uns in den Norden der Republik, nach Hamburg. Kein Zweifel: Die Hansestadt ist so populär wie nie, als Wirtschaftsstandort und ansprechende Berlin-Alternative. Zwischen Blankenese, Elbtunnel und Reeperbahn entsteht hier dazu auch progressive (Off)Kultur im Schanzenviertel und in der Hafencity mit Galeriecluster und Kunsthäusern. Klar, Armut gibt´s hier auch überall und ziemlich sichtbar, und der HSV macht auch inzwischen keinen Spaß mehr. Aber was soll´s, der Hanseat nimmt´s gelassen: Sowohl die Dänen als auch Störtebeker mussten in Hamburg bereits daran glauben. Man bleibt halt hier stets norddeutsch kühl und pragmatisch.

Kiel

Unterkunft: Klotzstrasse (Kiel-Ravensberg)
Kunstinstitutionen: Stadtgalerie, Kunsthalle, Brunswiker Pavillon
besucht am: 17. Oktober 2006

Das Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Die Kieler Förde (Quelle: wikipedia.de)

Prachtvolle Schiffe, ein buntes Unterhaltungsprogramm und Fischbrötchen für alle – einmal im Jahr glänzt die Kieler Woche als touristischer Anziehungspunkt für Freunde der Segelregatta und des gepflegten Alkoholgenusses. Ja, und damit wäre über die Ex-Hansestadt und den Altindustriestandort Kiel auch schon fast alles gesagt. Fußgängerzone Holstenstraße, der Kieler Hafen mit Tankcontainerpanorama und bescheidene Nachkriegsarchitektur. Kunst, Kultur? Nun ja. U-Boote im Schiffahrtsmuseum, Regionales in der Stadtgalerie – und die Ostseehalle präsentiert gelegentlich Udo Jürgens. Wie heißt es so süffisant über die nördlichste aller Landeshauptstädte: Das Beste an Kiel ist das Umland. Zu Unrecht? Kaiser Wilhelm II. kam jedenfalls gerne hierher. Zum Segeln.

Magdeburg

Unterkunft: Weberstraße (Magdeburg-Sudenburg)
Kunstinstitutionen: Kulturszene Magdeburg e.V., Kulturzentrum Moritzhof, Galerie Art Depot
besucht am: 8. November 2006

Stadtwappen Magdeburgs (Quelle: wikipedia.de) Otto  von Guericke (Quelle: wikipedia.de)

Magdeburg überrascht! So wirbt die Stadt jedenfalls auf ihrer Homepage für sich selbst. Nazidemos, Plattenbauten und Tokio Hotel gab´s schon vorher, wo finden wir also die positiven Überraschungen? In den etwas kuriosen Halbkugeln vielleicht, über die man hier überall stolpert und mit denen der Naturwissenschaftler Otto von Guericke – ehemaliger Bürgermeister und Sohn Magdeburgs – seine Experimente zum Luftdruck und Vakuum durchführte. Magdeburg überrascht auch mit dem beschaulichen Hundertwasser-Haus und dem gotischen Dom. Doch der Rest ist wie der städtische Fussballverein: Regionalliga-Format. Die ehemalige Hochburg der Reformation dümpelt heute in Sachen Kultur, öffentliches Leben und Arbeitsmarkt noch ganz schön vor sich hin. Überraschend… bescheiden.

Erfurt

Unterkunft: Reißhausstraße (Erfurt-Eisenach)
Kunstinstitutionen: Kunsthalle, Galerie im Kunsthaus, Galerie Waidspeicher
besucht am: 9. November 2006

Das Stadtwappen Erfurts (Quelle: wikipedia.de) Der Dom von Erfurt (Quelle: wikipedia.de)

Sie ist klein, kuschlig, treu, immer am Grinsen und repräsentiert die Dom- und Blumenstadt wie kaum eine andere thüringische Botschafterin: die Puffbohne, Erfurts Stolz aus eigenem Gemüseanbau. So plüschig und niedlich, wie sich jenes 4-Euro-Nippes in den Touristen-Shops anbietet, kommt auch sonst vieles in diesem katholisch gefärbten Idyll zwischen Krämerbrücke und Anger daher. Die Gewalten der Diktaturen seit ´33 sind kaum wiederzufinden, stattdessen Romanik hier und Gründerzeit dort in Reinkultur. Apropos Kultur und Kunst: Güldner Kronbacken, das Kunsthaus und die Galerie 2 im Rathaus, soweit die Übersicht. Das muss auch reichen, gibt ja noch Weimar. Dann lieber predigen in der Peterkirche oder gleich zu den Augustinern auf den Petersberg. Aber nur mit der echten Puffbohne! Erfurt, eine echt eigentümliche „Mitte Deutschlands“.

Dresden

Unterkunft: Käthe-Kollwitz-Ufer (Dresden-Johannstadt)
Kunstinstitutionen: Kunsthaus, Städtische Galerie, riesa efau
besucht am: 10. November 2006

Dresdens Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Die Jahrhundertflut 2002 (Quelle: wikipedia.de)

Es ist schon erstaunlich, wie sich Dresden – über 60 Jahre nach der Totalzerstörung – wieder erholt hat. Auch nach dem Wiederaufbau der Frauenkirche sowie der Restaurierung vieler anderer Baudenkmäler ist die sächsische Landeshauptstadt weiter fieberhaft darum bemüht, endlich aus dem Schatten Leipzigs hervorzutreten und mit historischer Barockarchitektur sowie einem breiten Kulturangebot zu punkten – wenn die Stadt des Zwingers und der Semperoper nicht wieder unter (Elb-) Wasser steht. Neben dem üblichen Museums-Einerlei für Fans von Porzellan und Puppentheater arbeitet die jüngere Künstlerszene (7. Stock, Kunsthaus) an moderneren Ausstellungskonzepten. Das „Elbflorenz“ des Ostens hat schließlich mehr zu bieten als wiederkäuendes Geschichtsrecycling.

Bremen

Unterkunft: Horner Strasse (Bremen-Mitte)
Kunstinstitutionen: Gesellschaft für aktuelle Kunst, Städtische Galerie, Kunsthalle
besucht am: 5. Dezember 2006

Das Wappen von Bremen (Quelle: wikipedia.de) Schutzpatron Roland (Quelle: wikipedia.de)

„… Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte…“ Das Grimmsche Märchen der Bremer Stadtmusikanten kennt hier, an der Weser, natürlich jedes Kind. Dass die vier betagten Flüchtlinge in Wahrheit irgendwo im niedersächsischen Umland steckengeblieben sind und nie in der norddeutschen Hansestadt ankamen, scheint den Eingeborenen ziemlich egal zu sein – solange der Bremer Roland als steinerne Statue zwischen Rathaus und Dom Wache schiebt, der Nachschub aus der heimischen Beck´s-Brauerei gesichert ist und Werder die Bayern schlägt, hat man wenig Sorgen. Museen gibt´s bis zum Überdruss, Shopping-Meilen auch und jede Menge Studenten. Das hat schon irgendwie Großstadt-Flair. Dazu gehört noch ein eher reizloses Hafenkonstrukt aus dem 19. Jahrhundert namens Bremerhaven, etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Aber da wollten die flanierenden Stadtmusikanten ja gar nicht hin.

Schwerin

Unterkunft: Obotritenring (Schwerin-Weststadt)
Kunstinstitutionen: Staatliches Museum, Kunstverein, Schleswig-Holstein-Haus
besucht am: 8. Dezember 2006

Das Wappen Schwerins (Quelle: wikipedia.de) Das "Märchenschloß" (Quelle: wikipedia.de)

Ja, über die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ließe sich leicht lästern: Der bekannteste Stadtrepräsentant ist ein runzliger Kobold mit alberner Kappe und nennt sich das „Petermännchen“, letzte Ehrenbürgerin wurde die Blumenbinderin (!) Bertha Klingberg und die Auflösung eines Wertstoffbehälters taucht unter den „Pressemitteilungen“ auf. Ganz schön trostlos, das alles – von NPD-Triumphen und Jugendabwanderung gar nicht zu sprechen. Ein Rundgang durch die ehemalige Residenzstadt lässt jedoch erahnen, warum ihr ein wenig mehr Selbstbewusstsein ganz gut täte: Die kriegsunversehrte Altstadt, der gotische Dom im Backsteinstil und das Schweriner Schloss sind durchaus sehenswert, zum alljährlichen Kultursommer reisen viele Touristen an und 2009 kommt die BUGA! Aber Vorfreude, Stolz? Fehlanzeige. Vielmehr müde Gleichgültigkeit. Wirklich „verliebt in Schwerin“, wie ein Reklamespruch der Stadt mal lautete, scheint hier wohl niemand zu sein.

Düsseldorf

Unterkunft: Friedrichstraße (Düsseldorf-Bilk)
Kunstinstitutionen: Kunsthalle, Stadtmuseum, KIT
besucht am: 9. Januar 2007

Düsseldorfs Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Gehry-Bauten am Hafen (Quelle: wikipedia.de)

Snobistisch, eingebildet und allürenhaft – das sind nur einige Charaktereigenschaften, die dem Düsseldorfer von dem leidenschaftlich verhassten Kölner auf der anderen Rheinseite zugeschrieben werden. Vom schalen Altbier und dem Altherrenpunk der „Toten Hosen“ gar nicht zu reden! Doch darüber kann man in der NRW-Hauptstadt und „Stadt der Mode“ nur müde lächeln – wozu braucht man die Höhner, Bützchen oder einen Dom, wenn man mit der S-Klasse von Mercedes über die Kö gleiten und seiner Begleitung zum seidenen Armani-Kleid noch die passende Louis Vuitton-Tasche aussuchen kann. Und abends geht´s gerne mal ins Schauspielhaus. Noblesse und Spießertum sind hier halt Tugenden, nur an der „längsten Theke der Welt“ in der Altstadt wird zünftig gefeiert und das Versace-Hemd gelockert. Zweifellos: eine saubere Prunkcity! Wat wollnse da mit Kölsch un´ Alaaf?

Saarbrücken

Unterkunft: Lortzingstrasse (Saarbrücken-Mitte)
Kunstinstitutionen: Saarländisches Künstlerhaus, Stadtgalerie
besucht am: 11. Januar 2007

Saarbrückens Wappen (Quelle: wikipedia.de) Die barocke Ludwigskirche (Quelle: wikipedia.de)

„Lebendige Kulturstadt“, „Einkaufsstadt, „die französischste Stadt Deutschlands“ – die selbsternannte „Metropole im Herzen Europas“ bietet ausgezeichnete Eigenwerbung auf ihrer Internetseite. Das resultiert natürlich auch aus der Nachbarschaft zu Frankreich und Luxemburg und dem zumindest gefühlten Status als Brücke nach Westeuropa. Unbestritten brillieren die barockene Ludwigskirche und das Saarländische Staatstheater (ein Relikt neoklassizistischer Baukunst des Dritten Reiches) als lohnenswerte Touristenziele, genauso wie die Bars am St. Johanniter Markt. Aber dann gibt´s wiederum auch diese scheußliche A 620, welche lärmend mitten durch die Innenstadt an der Saar entlangführt, das farblose Saarbrücker Schloss mit hässlichem Glasmittelbau und die langweilige Bahnhofstraße als Shopping- und Jugendtreff – zwiespältig, die (Achtung, Reklame!) „Kulturhauptstadt 2007“.

Wiesbaden

Unterkunft: Emanuel-Geibel-Strasse (Wiesbaden-Mitte)
Kunstinstitutionen: Kunsthaus, Nassauischer Kunstverein
besucht am: 12. Januar 2007

Wiesbadens Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Heiße Quellen in der Stadt (Quelle: wikipedia.de)

Vermögend, im guten Pensionärsalter und Liebhaber von Heilkräuterbehandlung und Bach-Blüten-Therapie? Dann ist Wiesbaden-Ost genau das Richtige! Wer hier, im Villenviertel der hessischen Landeshauptstadt, seine letzten Jahre abresidiert, gönnt sich die Vorzüge des großbürgerlichen Exils inmitten der Stadt. Dazu sprudeln die kochsalzhaltigen Thermalquellen, welche Wiesbaden einst den Titel „Weltkurstadt“ verliehen haben und bereits Goethe und Dostojewski für manch Wellness-Wochenende ins Zentrum des Rhein-Main-Gebietes lockten. Beim Thema Kultur schwört man auf literarische Genüsse und ein konventionelles Theaterangebot, keimfrei und fade wie eine Ayurveda-Kur. Dann lieber erholsam-gesunde Spaziergänge über die Wilhelmstraße, zum Schlossplatz oder mal einen Ausflug ins Rheingau – falls einem die Villendecke samt Kronleuchter doch mal „auf den Kopf fallen sollte“.

Mainz

Unterkunft: Emanuel-Geibel-Strasse (Wiesbaden-Mitte)
Kunstinstitutionen: Walpodenstraße 21 e.V., Art ´N Fact, KUZ
besucht am: 13. Januar 2007

Stadtwappen von Mainz (Quelle: wikipedia.de) Der Landtag in Mainz (Quelle: wikipedia.de)

Gutenberg-Universität, Gutenbergplatz und Gutenberg-Denkmal – etwas verdächtig mutet es schon an, dass die rheinland-pfälzische Karnevalshochburg das berühmteste Mainzelmännchen zum herausragenden Wahrzeichen der Stadt erhebt – möglicherweise in Ermangelung alternativer, gleichfalls repräsentativer Stadtmerkmale? Gut, lasse man mal nicht unberücksichtigt, welch bedeutsame Rolle Mainz einst als Erzbistum und Freie Stadt im Früh- und Hochmittelalter sowie später als Kurfürstliche Residenzstadt gespielt hat. Und wenn im „Heimat“-Sender ZDF mal schunkelige Fröhlichkeit mit roter Pappnase angesagt ist, dann garantiert dank des Narrhallamarsches, der für die Büttenredner während der „Meenzer Fassenacht“ erklingt. Noch nicht genug Highlights aus der „Mainzer Republik“? Dann hätten wir ja noch das Gutenberg-Museum, den Gutenberg-Marathon, das Gutenberg-…

München

Unterkunft: Siegstätt (Forstinning bei München)
Kunstinstitutionen: Haus der Kunst, Kunstverein München, Kunstbunker Tumulka
besucht am: 21. Februar 2007

Münchens Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Die Feldherrenhalle (Quelle: wikipedia.de)

„Z´rissene Hos´n und in jed´n Strumpf a Loch, aber saufa, saufa, saufa damm´ma doch“. Die „Leckerfassl-Polka“ von d´Wadlbeissern demonstriert noch urbayerische Volksmusiktradition und bedient jedes Klischee süddeutschen Lederhosen- und Schunkelbrauchtums. Doch die zitierte Kombo kommt aus Regensburg und nicht aus München. Und in ebenjener Isar-Metropole wird nicht mal heimisches Liedgut angestimmt, wenn sich die zahlreichen Touristen beim Oktoberfest alljährlich zu den angesagten Wiesn-Hits unter die Zelttische tanzen und saufen. Das seit je her SPD-regierte München zeigt sich ansonsten geradezu bieder und unaufgeregt – ein bisschen schickimicki hier, restlos überteuert dort, naja, weltstädtisch halt. Nur im „Hofbräuhaus“ versammeln sich noch zeitweilig die letzten verbliebenen Einheimischen bei Weißwurscht und Weißbier und besingen die Erfolge des FCB oder von 1860. A bisserl Bayern findet sich schließlich doch in München.

Stuttgart

Unterkunft: Silberburgstrasse (Stuttgart-West)
Kunstinstitutionen: Künstlerhaus, Kunstklub, Kunstraum Stuttgart,
besucht am: 23. Februar 2007

Wappen von Stuttgart (Quelle: wikipedia.de) schwäbisches Luxusauto (Quelle: wikipedia.de)

Der Schwabe an sich ist vermögend, aber geizig, heimatverbunden, aber reiselustig und höflich, aber gleichermaßen intrigant. Und wer dessen Dialekt einigermaßen versteht, ist bei Themen rund um Hausbau, Bausparverträge und Familiengründung auf der sicheren Seite. Vorurteile? Mitnichten! Wer jetzt noch immer nicht abgeschreckt wurde vom sparsamen Leben auf dem berühmtesten Pferdegestüt Baden-Württembergs (als welches Stuttgart im 10. Jahrhundert gegründet worden war), der gehört zweifellos hierher. Bürgerliche Rechtschaffenheit und Arbeitsdisziplin sind wichtige Eckpfeiler für das Selbstwertgefühl der Porsche- und Mercedes-Stadt, die vor allem überall dort ansprechend ist, wo sie nicht mit einer belanglos-sterilen Kunstmeile wie jene entlang der Konrad-Adenauer-Straße aufwarten muss und in einigen Stadtteilen eine durchaus gepflegte Wohnkultur präsentiert. Dort sei denn auch dem „Neu-Schwaben“ das Häuslebaue empfohlen.

Hannover

Unterkunft: Falkenstrasse (Hannover-Linden)
Kunstinstitutionen: Kestnergesellschaft, Kunstverein Hannover, KUBUS
besucht am: 27. Februar 2007

Hannovers Stadtwappen (Quelle: wikipedia.de) Auf dem Expo-Gelände (Quelle: wikipedia.de)

18 Millionen Besucher, 155 Nationen auf einer Fläche von 160 ha – fulminant, der Erfolg der Expo anno 2000. Was viele nicht wissen: Hannover gab es auch schon vor der Weltausstellung. Und vor der CeBIT. Was aber niemand weiß: Was wäre Hannover heute eigentlich ohne seine Messen? Die Keksstadt (wegen Bahlsen)? Die Reifenstadt (siehe Continental)? Oder etwa die „Breakdance-City“?! Der gute Tip: Man folge dem „Roten Faden“ – einem durchgezogenen Farbstreifen, welcher an sämtlichen Sehenswürdigkeiten Hannovers entlangführt – und entscheide einfach selbst. Die Herrenhäuser-Gärten, das Sprengel-Museum und die Waterloo-Säule sind auf keinen Fall zu übersehen. Nur: Irgendwas Besonderes? Naja. Sorry, vielleicht ein anderes Mal. Also, hier die Infos für alle Besucher der CeBIT: Tageskarte im Vorverkauf 33 Euro, Dauerkarten zwischen 71 und 83 Euro. Viel Spaß in der Messestadt Hannover!

Potsdam

Unterkunft: Edenkobener Weg (Berlin-Lankwitz)
Kunstinstitutionen: Brandenburgischer Kunstverein, Kunsthaus, Altes Rathaus
besucht am: 1. März 2007

Wappen von Potsdam (Quelle: wikipedia.de) Schloss Sanssouci (Quelle: wikipedia.de)

Würde man Berlin und Potsdam als Geschwister betrachten (das klägliche Scheitern einer Länderfusion von Berlin-Brandenburg verhinderte dies bislang), wäre Berlin wohl der rebellische Chaot mit defizitären Umgangsformen, Potsdam dagegen der vornehme Grandseigneur im preußisch-klassizistischen Gewand. Brandenburgs einziges Wirtschaftszentrum genießt die Kultiviertheit und Eleganz einer ehemaligen Residenzstadt, welche mit dem Schloss Sanssouci eines der herausragenden Wahrzeichen aus Hohenzollernzeiten darbietet. Nicht nur das: Wer hier Kurfürst war und Friedrich hieß, verschleuderte seinen Haushaltsetat in Prachtschlösser (Neues Palais) und Parkanlagen (Lustgarten), wie es aufwändiger nicht mehr ging. Beeindruckend. Wen soviel Repräsentanz erdrückt und erschlägt, dem sei eine Führung über das Filmgelände Babelsberg empfohlen: Da ist das meiste nämlich schlichte Kulisse – aus Pappmaché.

Berlin

Unterkunft: Edenkobener Weg (Berlin-Lankwitz)
Kunstinstitutionen: Akademie der Künste, Kunstwerke, NGBK, Berlinische Galerie
besucht am: 2. März 2007

Flagge der Hauptstadt (Quelle: wikipedia.de) Das Reichstagsgebäude (Quelle: wikipedia.de)

Was bleibt am Ende unserer Vortour-Reihe? Natürlich die Hauptstadt der Hauptstädte, die ehemalige Frontstadt, oder einfach die Weltmetropole schlechthin: Berlin. Love Parade, Popkomm, Berlinale – ein Großereignis jagt das nächste; hier „groovt“ die Bundespolitik, ist immer Party angesagt und garantiert ein Studienplatz frei. Szene und Lifestyle, wo man hinguckt, Multikulti, wo man hingeht und Hundescheiße, wo man hintritt, pulsierend und stets im Wandel, von Friedrichshain, Prenz´l-Berg bis Mitte, ein kulturelles Schlaraffenland zwischen Ausländerrandale und Nazipöbel, Wedding-Junkie und Mitte-Zuhälter, immer lebendig, aufregend, „arm aber sexy“ oder einfach der totale Punk, in jedem Kiez. Dazu völlig verschuldet, in vielen Bezirken verwahrlost und manchmal peinlich provinziell (Flughafen, Hauptbahnhof etc.) – aber egal, Alter, wo sonst gibt´s den Döner für ´n Euro? Berlin ist hip, krass angesagt und hat die „beste Band der Welt“. Mehr geht nicht. Zeit zum Aufbruch. Am 16. Juni startet die kulturrevolution2007 in Berlin.

alle Beiträge verfasst von: JaMbS

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