Aktionen

Kieler Punkte

Zeit: 20. Juni 2007
Ort: Hörn zur Kieler Woche

Der Matrosenaufstand in Kiel 1918 bildete nach dem Ende des 1. Weltkrieges den Auftakt zu jenen landesweiten Unruhen und Demonstrationen, die schließlich zur Novemberrevolution und zur Abdankung des letzten deutschen Kaisers führten. Ausgehend von Kiel bildeten sich im restlichen Reich Arbeiter- und Soldatenräte, welche versuchten, die Macht im Land an sich zu reißen.
Auf der Kieler Woche, die übrigens von Kaiser Wilhelm II. vor 125 Jahren erstmals eröffnet wurde, übertrugen wir die historischen Begebenheiten auf die heutigen Verhältnisse.

Die Ballons werden mit Forderungen beklebt ... | kulturrevolution2007 | Nach dem Konzept der Aktion erklärten wir die Passanten in der Kai-City zu Mitgliedern eines neu gegründeten „Kieler Rates der Arbeitnehmer“ (KRAN). Jeder bekam hierfür zur Kennzeichnung seiner Mitgliedschaft einen Helium-Ballon mit der entsprechenden Mitgliedsnummer überreicht. Darüber hinaus war ein Aufkleber mit einer aktuellen Forderung aus den „neuen“ Kieler Punkten angebracht (analog zu den Kieler Punkten welche einst von Matrosen als Forderungskatalog gegenüber der Regierung formuliert worden waren). Adressiert waren die Heliumballons an den Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Das Ziel war die Zusendung jenes Aufklebers des neu gegründeten Rates an den DGB, per Luftpost.Wir forderten die Besucher der Kieler Woche auf, die Ballons entgegenzunehmen und fliegen zu lassen. Sowohl Erwachsene als auch Kinder nahmen begeistert die mit Heliumgas gefüllten Geschenke entgegen; einige ohne Kenntnisnahme der Aufschrift, andere mit kritischer Begutachtung des Textes. Nach knapp 200 verteilten und fliegen gelassenen Ballons beendeten wir die Aktion.
... und auf ihre Reise zum DGB geschickt.

Heinrichs Kolonialwaren

Zeit: 1. Juli 2007
Ort: Vor dem Schloß, Schwerin

Hintergrund dieser Aktion war zum einen die Bedeutung der Stadt Schwerin als ehemalige Slawenhochburg, die im 12. Jahrhundert von Heinrich dem Löwen Schauplatz der gewaltsamen Vertreibung slawischer Siedler und der anschließenden Christianisierung wurde. Zum anderen griffen wir als aktuelles Thema die Expansionspolitik deutscher Firmen auf, welche verstärkt den osteuropäischen Markt erschließen.

"Heinrichs Kolonialwaren" an der Schloßbrücke | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs In Szczecin (Polen) kauften wir hierfür u.a. folgende Konsumartikel: Polnischen Kaffee der Marke Tchibo, polnische Bonbons der Firma Storck oder die polnische Gala mit Berichten von polnischen Prominenten. Die Preise jener Artikel wurden von uns im Wechselkurs 1:3,6 von Zloty in Euro umgerechnet und neu etikettiert. Mit diesen Einkäufen reisten wir zurück nach Schwerin.Unweit des Schlosses bauten wir am Sonntag nachmittag unseren Stand mit dem Namen „Heinrich´s Kolonialwaren“ auf. In weißen Verkaufskitteln preisten wir den Passanten unsere Artikel an. Viele zeigten sich amüsiert, manch andere irritiert angesichts unseres ungewöhnlichen Outdoor-Ladens. Einige Interessierte kauften uns einen Teil der Ware ab und nahmen zufrieden „Nimm2“ oder „Aspirin“ für den persönlichen Bedarf mit.
Deutsche kaufen Kolonialwaren aus Polen. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Rolandsgrenze

Zeit: 7. Juli 2007
Ort: Altstadt, Bremen

Er ist samt Podest über 10 m groß, sein Blick stets zum Dom gerichtet und seit 2004 UNESCO-Weltkulturerbe: der Bremer Roland, berühmtes Wahrzeichen und Schutzpatron der Freien Hansestadt Bremen. Von jener Sagenfigur, eines Paladin Karls des Großen im achten Jahrhundert, handelt das altfranzösische Versepos „Rolandslied“, das um 1170 vom Pfaffen Konrad ins Mittelhochdeutsche übertragen wurde. Bis heute gilt die Rolandsfigur als Sinnbild für die Rechte der Stadt und damit für deren Unabhängigkeit. Doch wie viel Freiheit genießen heute eigentlich noch die Bürger der Städte, wenn der öffentliche Raum zur Disposition steht, wo Sondernutzungsbereiche, Bannmeilen und Privatgelände wie der Potsdamer Platz in Berlin unsichtbare – aber für einige deutlich spürbare – Grenzen durch die Stadt ziehen?

Mit Kreide schreiben wir das Rolandslied auf. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs Für die Aktion, die an der Rolandstatue auf dem Bremer Marktplatz sowohl beginnen als auch enden sollte, kauften wir Strassenkreide für mindestens 3km und zwei Exemplare des Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad. Viel Sorgfalt verwandten wir darauf, die Route festzulegen, entlang derer wir das Rolandslied auf den Bürgersteig der Bremer Altstadt schreiben würden. Sie begann 15:30 Uhr auf dem Marktplatz zu den Füßen des Bremer Rolands, führte zunächst entlang der Fußgängerzone Obernstrasse, dann rechts in die Bürgermeister-Smidt-Strasse, erneut rechts über die Knochenhauerstrasse bis zur Violenstrasse zurück zur Rolandsstatue.
Immer abwechselnd schrieben wir Vers um Vers auf die Strassen und zogen damit eine symbolische Grenze durch die Stadt, eben die „Rolandsgrenze“. In der Strasse „Wegesende“ kam ein Weinladenhändler auf uns zugeeilt, beschimpfte uns, tobte und rief die Polizei, die daraufhin erschien, unsere Personalien feststellte – und uns viel Erfolg beim weiteren Verlauf der Aktion wünschte. In der Abenddämmerung erreichten wir die Violenstraße, mit einsetzender Dunkelheit krochen wir die letzten Meter auf den Roland zu, welchen wir völlig erschöpft Punkt 22:30 Uhr erreichten. Mit dem Wort „mule“ (nhdt. Maultier, irgendwo bei Vers 540) schlossen wir die Aktion erfolgreich ab.
Die Polizei verhindert einen Anschlag auf uns. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Bild(zeit)ung

Zeit: 12. Juli 2007
Ort: Johannes Gutenberg Universität, Mainz

Was wäre die europäische Kultur der Neuzeit ohne die Prozessinnovationen von Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg? Der in Mainz geborene „Mann des Jahrtausends“ legte mit der Erfindung des mechanischen Buchdrucks den Grundstein für eine Medienrevolution, die von Deutschland aus die ganze Welt erreichte. In der Folge wurden Informationen für immer größere Bevölkerungsschichten verfügbar, Wissen konnte in großem Umfang und zeitnahe an vielen Orten der Welt zusammengetragen und genutzt werden. Längst ist der Umgang mit Printmedien in der zivilisierten Welt eine Selbstverständlichkeit geworden. Zu den Hauptnutzern und Produzenten von gedruckten Texten gehören die Universitäten. Infolge der neoliberalen Wirtschaftspolitik in Deutschland sind fast alle Institute an Staatlichen Hochschulen auf Drittmittel angewiesen. Ein Teil davon kommt von Wirtschaftskonzernen, welche das Geld nicht aus Nächstenliebe zur Verfügung stellen, sondern damit ihre eigenen Interessen verfolgen. Über Werbung an den Schulen wurde schon oft in den Medien debattiert, „wie lange würde es wohl noch dauern, bis Universitätsvorlesungen durch Werbeblöcke unterbrochen werden würden?“, fragten wir uns und wählten die nach dem Vater des Buchdrucks benannte Universität in Mainz als Ort unseres künstlerischen Eingriffs aus…

"Gleich gehts weiter, bleiben Sie dran!". | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs Bei der vorangegangenen Vorbesichtigung hatten wir die fünf größten Hörsäle des Campus ausfindig gemacht und auf einer Karte eingezeichnet. Beim Zeitungskiosk kauften wir am Morgen tütenweise Ausgaben der „Bild“ und der „Zeit“, die wir zu „Campus-Partnern“, also fiktiven Sponsoren der Mainzer Universität, deklarierten. Zum ersten Mal sollte bei dieser Aktion unser neuerworbenes Megaphon eingesetzt werden.
So ausgestattet zogen wir von Hörsaal zu Hörsaal und unterbrachen die Vorlesungen durch einen Werbeblock. Das lief so ab: Wir öffneten die Tür und begannen uns unseren Weg durch die Reihen zu bahnen. Wogs fiel dem Dozenten ins Wort und kündigte eine Werbeunterbrechung an: „Wir unterbrechen die Vorlesung von Prof. X wegen eines wichtigen Hinweises auf unseren Sponsor…“ Während Wogs im folgenden die Slogans von „Bild“ und „Zeit“ zitierte, verteilte JaMbS kostenlose Exemplare der betroffenen Zeitung an die Studenten, gewissermaßen als Werbegeschenke. Außerdem legte JaMbS eine von uns vorbereitete Folie, die als großes Plakat für alle Studenten sichtbar auf die Wand projiziert wurde, auf den Overhead-Projektor (ostdt.: Polylux). Auf dem Weg zum Ausgang, warben wir dann noch für Studentenabos mit Knebelvertrag der entsprechenden Blätter und übergaben das Wort wieder an den Dozenten.Die Reaktionen von Studenten und Professoren waren sehr unterschiedlich: Von der Kooperation eines Dozenten, der beim Auflegen der Folie behilflich war und sympathisierenden Lachsalven von Studenten über irritierte Blicke und einem Übergriff auf unsere Kamerafrau bis hin zu einem Studenten, der aufstand und die Bild quer durch den Saal schleuderte, reichte die Bandbreite. Ein Dozent in den Rechtswissenschaften hielt die Aktion für eine PR-Kampagne des Verlags und konstatierte: „Das ist keine gute Werbung für die Zeit!“.
Wir stürmen die Hörsäle und werben Abonnenten. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs
Wird Werbung an Hochschulen bald zur Regel? | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Hanseschatz

Zeit: 15. Juli 2007
Ort: Elbfähre Linie 62 nach Finkenwerder, Hamburg

Im hochmittelalterlichen 12. Jh. fanden sich, ausgehend von Lübeck, niederdeutsche Kaufleute in der Hanse zusammen, um ihre Wirtschaftsinteressen gemeinsam durchzusetzen. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit in der „Schutz- und Trutzgemeinschaft“ bestand im Warenhandel mit dem Ausland, namentlich im Ostseeraum. Die Hanse eröffnete ausgehend von Lübeck und teils mit Unterstützung des Deutschen Ritterordens, unter anderem Kontore in den Städten Visby, Riga, Memel, Reval und Kolberg. Durch die Konkurrenz des Überseehandels und die absolutistische Kleinstaaterei geschwächt, fand die Hanse ihren endgültigen Niedergang mit dem Dreißigjährigem Krieg im 17. Jh. Übriggeblieben sind die ehemaligen Hansestädte, die heute auf den Terretorien verschiedener Nationalstaaten liegen. Mit der Osterweiterung der EU sind viele dieser Länder zu Mitgliedstaaten geworden und opfern einen Teil ihrer Staatseinnahmen für die Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung und kulturelle Integration – aber: zu welchem Preis?

Wir haben einen Schatz aus der Elbe geborgen. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs Genau diesen Betrag (Euro pro Bürger) hatten wir im Rahmen der Vorbereitung auf die Rückseite von Fotos geschrieben, welche zeitgenössische Aufnahmen der o.g. Städte enthielten. Mit im Bild war eine Münze aus dem zugehörigen Land aufgeklebt. 80 Exemplare davon hatten wir in mehrere Lagen Postkartons, Paketpapier und Luftpolsterfolie verpackt und schließlich in einer antiken Truhe, einer wahren Schatzkiste verstaut. Mit dieser warteten wir am der Station Sandtorshöft auf die Fähre nach Finkenwerder.
Als die überfüllte Fähre mit uns an Board abgelegt hatte, schleppten wir die Kiste durch das Gedränge aufs Sonnendeck. Überall mußten die Leute sich an uns vorbeizwängen, bis wir die Schatztruhe auf einem der Tische abstellen konnten. Fragende Blicke richteten sich auf die Truhe und uns. Wir gaben vor, diese Kiste beim sandtorkai gefunden zu haben und daß wir selbst nicht wüßten, was darin sei. Wir öffneten den Deckel der Truhe; die Kartons wurden sichtbar. Im folgenden versuchen wir die Neugier der Umstehenden zu wecken und sie zu dazu bewegen, uns beim Auspacken behilflich zu sein. Ein Mann lieh uns seine Nagelfeile und ein junges Paar kämpfte sich hartnäckig durch die Schichten bis zum Innersten durch. Irritation bei den Passagieren. Was soll das? Die Fotos mit den Münzen fanden zunehmend Absatz, als auch die anderen beiden Pakete geöffnet waren. Groß und Klein griffen zu und waren vor allem auf die Münzen scharf, die sie sich in die Tasche steckten. Auf diese Weise hatten wir erreicht, den Hansaschatz, bestehend aus Steuereinnahmen der EU, an ihre Bürger zurückzugeben.
Neugierig begutachten die Passagiere die Truhe... | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs
in welcher der Hanseschatz und Kartons sind. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Der letzte Patient

Zeit: 20. Juli 2007
Ort: Dr.-Horst-Schmidt-Klinik, Wiesbaden

Kaum eine politische Debatte sorgte in den vergangenen Jahren für mehr Zündstoff und Koalitionsstreitigkeiten wie das Thema Gesundheitssystem. Medizinischer Fortschritt und demographischer Wandel führten zu rapide steigenden Kosten in der Gesundheitsversorgung, alternative Konzepte werden bis heute breit diskutiert. Doch während seit den 70er Jahre regelmäßig eine Gesundheitsreform die nächste ablöst und die großen Volksparteien sich an der Unvereinbarkeit ihrer Konzepte (Gesundheitsfonds vs. Bürgerversicherung) die Zähne ausbeißen, bleibt der Patient mal wieder auf der Strecke: mehr Medikamentenbeiträge, höhere Rezeptgebühren, weniger Leistung bei steigenden Beteiligungen zur gesetzlichen Krankenversicherung. Übrig bleibt? Der letzte Patient, ein Symbol für den Untergang unseres Gesundheitssystems: ohne Krankenversicherung, ohne ärztliche Betreuung, aber eines Tages schwer verwundet und dringend behandlungsbedürftig. Zumindest fiktiv. Wird ihm trotzdem geholfen? Dieses Experiment führten wir im Rahmen unserer Performance in der Kur- und Heilbädermetropole Wiesbaden durch…

Wird jemandem ohne Versicherung geholfen? | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs Die Aktion begann am Nachmittag in einem Gebüsch hinter dem Besucherparkplatz des Krankenhauses. Wogs zog sich helle Klamotten an, ich bekleidete mich mit einem weißen Pflegerkittel. Mittels 3 Litern Schweinebluts wurde aus einem physisch gesunden Aktionskünstler ein heftig blutender Notfallpatient, der soeben mit Mühe und Not einem fiktiven Schusswechsel in Mainz entkommen konnte. Allerdings: ein schwer Verletzter ohne Krankenversicherung, der sich zuvor vergeblich in verschiedenen Kliniken um einen OP-Termin bemüht hatte. Also versuchten wir es hier „erneut“: Ich als ein zufällig beim Vorfall anwesender Zivildienstleistender im Pflegeroutfit begleitete das humpelnde und schwer atmende Opfer zum Eingang des Krankenhauses. Wir fielen sofort auf und bemerkten entsetzte Blicke von wartenden Angehörigen und flanierenden Klinikpatienten. Immer erklärte ich den Umherstehenden, dass Wogs keine Krankenversicherung habe, folglich bislang nicht behandelt werden konnte. Spannung lag in der Luft. Und dann ging alles sehr schnell:
Ein junger Mann, der vor dem Klinikum wartete, bestand energisch darauf, dass Notfälle auch ohne Krankenversicherung berücksichtigt werden müßten und eilte in die Klinik. Gleichzeitig setzte sich nun auch eine ältere Dame für uns ein, besorgte einen Rollstuhl für Wogs und schob ihn darin zur Notaufnahme. Als ich versuchte, meinen Künstlerkollegen wieder hinauszuschieben, wurde ich von drei Krankenpflegern daran gehindert. Sie fassten kurzentschlossen zu und hoben Wogs auf ein Krankenhausbett. Knapp 60 Sekunden später schloß sich die Fahrstuhltür hinter uns. Im 1. Stockwerk angekommen, wurde Wogs auf dem Bett in unbeschreiblichem Tempo den Gang entlang in Richtung Not-OP geschoben, wo der Chefarzt bereits auf ihn wartete…
Fünf Minuten später verließen wir die Klinik wieder. Die Aktion konnte von uns gerade noch rechtzeitig beendet und das Klinikpersonal über den wahren Sachverhalt aufgeklärt werden. Der letzte Patient wäre dieses Mal garantiert nicht verblutet. Eine beruhigende Erkenntnis. Vor allem für diejenigen, die sich zukünftig noch pflichtversichern müssen…
Mit dem Rollstuhl auf dem Weg zur Notaufnahme | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs
Eigendynamik erschwert den Abschluß der Aktion. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Saarschach

Zeit: 1. September 2007
Ort: vor dem Künstlerhaus Saarbrücken

Als sich am 22. Januar 1963 der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle anlässlich der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages in die Arme schlossen und damit die Grundlage für eine Aussöhnung zwischen den beiden europäischen Großmächten schufen, lagen mehrere hundert Jahre erbitterte Feindseligkeit hinter ihnen – eine historisch gewachsene Erbfeindschaft, die sich nicht nur während der napoleonischen Zeit in zahlreichen Kriegen und diplomatischen Krisen niederschlug. Als strategische „Trumpfkarte“ für die territorialen Machtspiele zwischen Deutschen/Preußen und Franzosen galt vor allem das Gebiet des heutigen Saarlandes, der selbsternannten „Brücke nach Westeuropa“. 1957 erfolgte schließlich nach langem Hin und Her dank Volksentscheid der Anschluss des Saarlandes an die BRD als 10. und vorerst letztes Bundesland. 50 Jahre später jedoch wird dieser Beschluss durch JaMbS & Wogs im Rahmen ihrer letzten Aktion für die kr07 erneut infrage gestellt.

Die Feldherren aus Preußen und Frankreich | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs Gegen 14 Uhr nehmen der preußische Generalfeldmarschall Wogs und sein Gegner, der französische Maréchal de France JaMbS am Schachtisch Platz. Mittig über ihren Köpfen weht das saarländische Wappen. Zu Bier und Schwarzbrot auf preußischer sowie Rotwein und Baguette auf französischer Seite erklingen abwechselnd die Chansons von Edith Piaf und Freddy Quinn. Die Infanterien, Kavallerien und Artillerien beider Länder stehen sich auf dem Schlachtfeld geordnet und einander kampfbereit gegenüber. Bei diesem Duell geht es genau um eine Frage: Wer gewinnt diesmal das Saarland?
Nach einem nüchternen Handschlag der beiden Truppenführer beginnt JaMbS die Offensive mit der sizilianischen Eröffnung: Bauer von e2 auf e4. Wogs kontert erwartungsgemäß mit Bauer c7 auf c5. Das provoziert den Einsatz der 2. Kavallerie auf französischer Seite, Springer von g1 auf f3. Nach eher zähem Beginn werden die Preußen im weiteren Verlauf zunehmend in die Defensive gedrängt, ein Läufer und zwei Festungen müssen nun dran glauben. Bald darauf verliert Preußen die erste Schlacht. Droht dem Saarland nach 50 Jahren BRD-Zugehörigkeit nun die erneute Annexion durch die Franzosen? Oder lässt sich das Blatt noch wenden?…
In zwei Revanche-Partien schlagen die Preußen tapfer zurück. Trotz diverser Ablenkungsmanöver durch Saarbrücker Schaulustige und die körperlichen Qualen, welche die sengende Sonne und die äusserst eng anliegenden Uniformen hervorrufen, startet Wogs mit dem verbliebenen Läuferbataillon sowie der Dame in der Schlussphase des alles entscheidenden dritten Spiels einen letzten Feldzug auf den französischen Königsthron. Und siehe da: Nachdem die Grande Nation ihren Herrscher mit e8 auf d8 zu retten versucht, zwingt die preußische Dame den Gegner mit einem raffinierten Zug von h7 auf d7 endgültig in die Knie: Schachmatt. Das Saarland bleibt deutsch! JaMbS nimmt seinen Hut, schmeisst das Weinglas in die Ecke und verlässt enttäuscht und verbittert die Szenerie. Wogs indes strahlt freudig und verschwindet mit dem saarländischen Wappen in die nächste Kneipe.
Von den Straßenfesten und Triumphmärschen in Saarbrücken anlässlich dieses Sieges bekommen die beiden jedoch nichts mehr mit: Da haben die Feldherren dem Saarland schon längst den Rücken zugekehrt…
Schach ist traditionell das Spiel der Herrscher. | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs
Frankreich ist matt - die Saar bleibt deutsch! | kulturrevolution2007 | JaMbS & Wogs

Wie dem »Blog zu entnehmen ist, konnten wir wegen des vorzeitigen Abbruchs der Tour nicht alle geplanten künstlerischen Eingriffe durchführen.
Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert. Zu weiteren Projekten gelangen Sie über folgenden Link: http://www.aktionskunst.com

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